Frankfurter Forum Junges Theater 2026
20. bis 21. November 2026, Künstler*innenhaus Mousonturm, Frankfurt am Main
Krisenerzählungen, Held*innenreise und Resilienz
Das Frankfurter Forum Junges TheaterHeute ist es das zentrale Diskurstreffen der Darstellenden Künste für junges Publikum im deutschsprachigen Raum. Es setzt sich mit aktuellen Themen auseinander, bindet lokale und überregionale Akteur*innen und Künstler*innen ein und sorgt für bundesweite Sichtbarkeit.
Anlässlich von 30 Jahren Deutscher Kinder- und Jugendtheaterpreis diskutiert das Forum: Welche Geschichten brauchen Kinder und Jugendliche heute? Und wie entstehen sie?
Kinder und Jugendliche sind in Deutschland eine „Minderheit ohne Schutz“ (El-Mafaalani/Kurtenbach/Strohmeier), deren Interessen politisch wie gesellschaftlich kaum repräsentiert werden. Zugleich sind sie von einer ungewöhnlichen Verdichtung globaler Krisen – von den Folgen der Pandemie-Politik über Kriege bis zur Klimakrise – besonders betroffen. Ältere Generationen setzen im Bildungsbereich ebenso wie im Sozialen Kürzungen durch. Ihre Entscheidungen belasten jedoch vor allem Jüngere – sowohl heute als auch zukünftig.
Das Forum fragt danach, welche widerständigen Erzählungen jungen Menschen bei der Identitätsbildung, bei der Auseinandersetzung mit Machtverhältnissen und der Entwicklung von Handlungsperspektiven helfen können. Welche Geschichten holen sie in ihrer Lebenswelt ab, zeigen ihnen Möglichkeiten auf, neue Umgangsweisen mit der Realität zu entwickeln und eröffnen ihnen andere Imaginations- und Identifikationsräume? Und wie entstehen diese Erzählungen, auch unter Beteiligung von Kindern und Jugendlichen selbst?
Das Forum lädt dazu ein, in Panels, Impulsvorträgen, Workshops und Austauschformaten über Schreibprozesse und Arbeitsbedingungen zu diskutieren. Szenische Lesungen machen die prämierten Stücke hörbar und ermöglichen vertiefende Gespräche. Warm-up-Formate und Begegnungsräume stärken die Vernetzung und fördern den kollegialen Austausch.
Kuratiert von: Esther Boldt und Seda Keskinkılıç
In Kooperation mit: Zentrum Junger Tanz, Künstler*innenhaus Mousonturm, FAIR P(L)AY, Studiengang Szenisches Schreiben der Universität der Künste Berlin, Verband der Theaterautor:innen, ASSITEJ Sverige, Fonds Podiumskunsten NL.
Das Zentrum Junger Tanz, angegliedert an das Künstler*innenhaus Mousonturm, versteht sich als innovativer Ort und Schnittstelle zwischen professioneller Tanzkunst und Tanzvermittlung für Kinder und Jugendliche. Unter dem Dach des Projektes wird Tanz in Bildungseinrichtungen implementiert, werden Multiplikator*innen fortgebildet und Tanzstücke für und mit jungen Menschen produziert.
Anmeldung ab dem 1. Oktober 2026 über das digitale Anmeldeformular auf www.jungespubikum.de
Programm
Freitag, 20. November 2026
09:30
Ankommen
10:00
Begrüßung und Eröffnung
10:30
Resilienz von Kindern stärken (AT)
Impulsvortrag
Die Darstellenden Künste für junges Publikum erzählen oft vom Über-sich-hinauswachsen, von Herausforderungen und Widerstandskraft. Doch was stärkt Kinder und Jugendliche tatsächlich? Prof. Dr. Maike Rönnau-Böse, Professorin für Kindheitspädagogik in Freiburg, forscht zu Resilienz und Resilienzförderung. Ihr Impulsvortrag stellt dar, welche Schutzfaktoren tragen und wie Resilienz erst in Beziehungen und Strukturen entsteht. Der Vortrag ist Grundlage für das anschließende Panel.
Mitwirkende: Prof.in Dr.in Maike Rönnau-Böse
Prof. Dr. Maike Rönnau-Böse ist Professorin für Kindheitspädagogik an der Evangelischen Hochschule Freiburg und Co-Leiterin des Zentrums für Kinder- und Jugendforschung. Sie forscht zu Resilienz und Resilienzförderung, Gesundheitsförderung und Spieltherapie.
11:30
Welche Geschichten brauchen junge Menschen heute?
Panel
Kinder und Jugendliche wachsen nicht nur in Krisenzeiten auf, viele haben Krisen erlebt. Welche Geschichten brauchen sie heute und welche erzählen wir ihnen bislang? Im Anschluss an den Impulsvortrag zur Resilienzforschung diskutiert das Panel die Narrative von Widerstandskraft in den Darstellenden Künsten im Allgemeinen sowie im Schauspiel und Jungen Tanz im Besonderen. Erfahrungen aus Dramaturgie, Choreografie, Resilienzforschung und der Jury des Deutschen Kinder- und Jugendtheaterpreises sind vertreten.
Mitwirkende: Matin Soofipour (Autorin, Dramaturgin, Jurymitglied Deutscher Kindertheaterpreis und Jugendtheaterpreis 2026), Janina Laßmann (Dramaturgin Junges Ensemble Stuttgart), Bahar Meriç (Future Move e.V.), Prof. Dr. Maike Rönnau-Böse, Juliane Raschel (Zentrum Junger Tanz)
Moderation: Elena Philipp (Journalistin)
11:30
Raum nehmen, wenn Raum fehlt
Workshop (2,5h)
Kürzungen, prekäre Strukturen, Diskriminierungserfahrungen: Wer im Theater für junges Publikum arbeitet, kennt Übergänge, die sich eng anfühlen und weiß, dass diese Enge kein Zufall ist. In diesem Workshop fragen wir gemeinsam: Was brauchen wir als Kulturschaffende, um in engen Verhältnissen handlungsfähig und resilient zu bleiben? Was nehmen wir uns, was erstreiten wir, was ermöglichen wir uns gegenseitig? Der Workshop kombiniert kreative Methoden mit kollektivem Austausch für einen geschärften Blick auf Ressourcen, Machtverhältnisse und die Spiel- und Freiräume, die noch da sind.
Mitwirkende: Emine Demir
Emine Demir arbeitet seit über zehn Jahren freiberuflich in Prozessbegleitung, Coaching, Moderation, Regie und Autor*innenschaft. Emine ist zertifizierte*r Trainer*in, lösungsorientierte*r Coach und begleitet Organisationen und Institutionen auf der Grundlage von Academic Teaching Excellence mit einem Hintergrund in Sozialer Arbeit sowie Friedens- und Konfliktforschung.
Ein Workshop im Rahmen des Modellprojekts FAIR P(L)AY der ASSITEJ, ermöglicht durch Mittel des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und in Kooperation mit dem KJTZ.
13:00
PAUSE
15:00
Szenische Lesungen der Preisträger*innen
Eine Kraft des Theaters für junges Publikum liegt in den Fragen „Was wäre, wenn …?“ und „Warum eigentlich nicht?“. 2026 werden der Deutsche Kindertheaterpreis und der Deutsche Jugendtheaterpreis zum 30. Mal verliehen: ein Jubiläum, dem das Frankfurter Forum Raum gibt. Zwei Spielerinnen lesen Auszüge aus den ausgezeichneten Texten und zeigen, wie poetisch und zugewandt für junges Publikum geschrieben wird. Die Preisträger*innen werden am Vorabend im Kaisersaal des Römers bekannt gegeben.
Es lesen: Judith Altmeyer (Theatermacherin, Performerin, Sprecherin und Kostüm- und Bühnenbildnerin) und Barbara Krzoska (Schauspielerin)
15:00
Hope. Oder: Warum wir das Schöne brauchen
Lecture
Was bedeuten Schönheit, Zuversicht und positive Zukunftsbilder in einer Gegenwart voller Krisen und düsterer Szenarien? Ausgehend von ihrer künstlerischen Arbeit fragt Bahar Meriç nach dem Bedürfnis junger Menschen, den allgegenwärtigen Krisenerzählungen andere Perspektiven entgegenzusetzen: Warum brauchen wir Räume, in denen auch das Schöne und das Hoffnungsvolle Platz hat? Es geht nicht um Eskapismus, sondern um die Frage, was wir von jungen Menschen lernen, wenn wir ihnen zuhören. Momente der Reflexion und des Austauschs öffnen die Lecture.
Mitwirkende: Bahar Meriç
Bahar Meriç ist Choreografin, künstlerische Leiterin und Entwicklerin künstlerisch-edukativer Programme zwischen Tanz, kultureller Bildung und sozialer Gerechtigkeit. Partizipativ und interdisziplinär macht sie Ausschlüsse im Kulturbereich sichtbar und schafft Zugänge zu Kunst. Sie engagiert sich bei Future Move e.V. und im Vorstand von Aktion Tanz.
15:00
„Organisationale Resilienz” in kleine(re)n Kulturorganisationen
Workshop (3h)
Wenn von „Resilienz“ die Rede ist, geht es meist um die Widerstandsfähigkeit von Einzelpersonen. Dieser Workshop setzt bei einem Verständnis von Resilienz als Ergebnis von Strukturen, Dynamiken und organisationalen Zusammenhängen an. Resilienz wird nicht als individuelle Aufgabe verstanden, sondern als Zusammenspiel von Prozessen und Formen der Zusammenarbeit. Zusammen mit Workshopleitung Katja Sonnemann wird der Frage nachgegangen, was kleine Organisationen in den Performing Arts widerstandsfähig macht und wie sie in Zeiten von finanziellem und politischem Druck beweglich und handlungsfähig bleiben können.
Mitwirkende: Katja Sonnemann (Produzentin, Dozentin, Mentorin, Beraterin)
Ein Workshop im Rahmen des Modellprojekts FAIR P(L)AY der ASSITEJ, ermöglicht durch Mittel des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und in Kooperation mit dem KJTZ.
17:30
Autor*innengespräch mit den Preisträger*innen
Gespräch
Im Anschluss an die szenischen Lesungen laden die Preisträger*innen des Deutschen Kinder- und Jugendtheaterpreises 2026 und der Sonderpreise für Studierende dazu ein, ins Gespräch über ihre Texte und ihre Arbeit zu kommen.
Moderation: Philipp Schulte (freier Dramaturg und Autor, Dozent)
17:30
Auf Held*innenreise (AT)
Werkstattgespräch
Eine Held*innenreise bedarf komplexer Figuren und Beziehungen, die sich mit und in herausfordernden Umständen entwickeln und verändern dürfen. Wie lassen Autor*innen solche Figuren entstehen? In diesem interaktiven Seminarformat geben Studierende des Studiengangs Szenisches Schreiben Einblicke in ihre Schreibprozesse.
Mitwirkende: Luise Otto, Luzie Konermann, Sara Isabel Magnabosco, Daria Tabea Herken, Karim Abdel Halim, Amelie Singla, Baris Ulas, Charlotte Stier (Studierende Szenisches Schreiben), Claudius Lünstedt (Autor und Dozent), tba.
Moderation: tba.
19:00
AUSKLANG
Samstag, 21. November 2026
09:00
Warm-up und Rückblick
Der Tag beginnt in Bewegung: Ein kurzes, für alle Körper offenes Warm-up bringt die Gruppe zusammen, bevor wir auf Tag 1 zurückblicken und die Fragen sammeln, die weiterwirken.
10:00
Rechten Narrativen widerstehen
Panel
Wenn Begriffe wie „Meinungsfreiheit“ und „Neutralität“ umgedeutet und genutzt werden, um den Diskurs nach rechts zu verschieben, und das Ringen um Geschichtsbilder, gesellschaftliche Normen und Geschlechterrollen in Institutionen ankommt: Wie bleiben Bildung und Kultur handlungsfähig? Impulse aus der Praxis skizzieren die aktuellen Diskursverschiebungen und stellen erprobte Strategien vor. Im Anschluss bietet sich die Möglichkeit, eigene Erfahrungen zu diskutieren. Das Panel richtet sich an alle, die Argumente und konkrete Handlungsoptionen für ihren Berufsalltag suchen.
Mitwirkende: tba.
Moderation: Anna Hoffmeister (Journalistin und Moderatorin)
10:00
Wo der Teppich Staub fängt
Mobile Aufführung mit Nachgespräch
Wo der Teppich Staub fängt thematisiert das fragile Konzept eines Zuhauses, das sich je nach Gesellschaft und Umgebung ständig verändert. In dem mobilen Pop Up für Jugendliche ab 12 Jahren untersuchen Alexander Varekhine und sein Team verschiedene persönliche Geschichten. Sie beschäftigen sich mit den Themen Zuhause sein, nach Hause kommen und von zu Hause weglaufen, um herauszufinden, was dieses Zuhause eigentlich sein kann.
Mitwirkende:
Choreographie, Konzept, Performance: Alexander Varekhine
Co-Choreographie, Performance: Laura Kisselmann
Bühne: Christopher Dippert
Sound: Sebastian Wolf
10:00
Kısır als kollektive Praxis (AT)
Worshop und Essen
Kısır ist ein Salat aus feinem Bulgur, Tomatenmark, Kräutern und viel frischem Gemüse. Und vor allem: Es ist mehr als ein Gericht! Es ist ein soziales Ritual des Teilens. Des Teilens von Arbeit, von Zeit und Aufmerksamkeit. In ihrem Workshop lädt Aslı Özdemir dazu ein, gemeinsam Kısır zuzubereiten. Die Arbeitsschritte werden zum Ausgangspunkt für einen Austausch unter den Anwesenden. So wird erfahrbar, wie Essen Beziehungen stärkt und Fürsorge in den Alltag übertragen werden kann.
Keine Vorkenntnisse nötig. Das Gericht ist vegan.
Das ı ohne Punkt ist Türkisch und wird weit hinten im Mund gesprochen, ähnlich wie das e in „bitte“.
Mitwirkende: Aslı Özdemir (Künstlerin)
Aslı Özdemir ist eine interdisziplinär arbeitende bildende Künstlerin, deren Praxis sich an der Schnittstelle zwischen generationsübergreifender Erinnerung und Empowerment. Ihre Arbeit umfasst Fotografie, Video- und Toninstallationen, Literatur und Performance.
12:00
PAUSE
13:30
Verkörperte Zukünfte (AT)
Workshop
Mitwirkende: Janna Pinsker, Julika Schlegel
13:30
Fun. Fame. Finance.
Werkstattgespräch
Was macht eine gute Zusammenarbeit zwischen Theater und Autor*innen aus? Welche Modelle und Arbeitsweisen haben sich bewährt? Der Verband der Theaterautor*innen (VTheA) stellt Good practice-Beispiele zur Autor*innen-Förderung vor und mit ihnen unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit – von der ersten Idee über die gemeinsame Entwicklung bis zur Produktion und darüber hinaus. Was macht Texte, Kooperation und Produktionen erfolgreich und welche Möglichkeiten eröffnen sie – Festivals, Nachspiele, Presse oder weitere Aufträge?
Mitwirkende: tba.
Ein Workshop im Rahmen des Modellprojekts FAIR P(L)AY der ASSITEJ, ermöglicht durch Mittel des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und in Kooperation mit dem KJTZ.
13:30
Wo der Teppich Staub fängt
Mobile Aufführung
Wo der Teppich Staub fängt thematisiert das fragile Konzept eines Zuhauses, das sich je nach Gesellschaft und Umgebung ständig verändert. In dem mobilen Pop Up für Jugendliche ab 12 Jahren untersuchen Alexander Varekhine und sein Team verschiedene persönliche Geschichten. Sie beschäftigen sich mit den Themen Zuhause sein, nach Hause kommen und von zu Hause weglaufen, um herauszufinden, was dieses Zuhause eigentlich sein kann.
Mitwirkende:
Choreographie, Konzept, Performance: Alexander Varekhine
Co-Choreographie, Performance: Laura Kisselmann
Bühne: Christopher Dippert
Sound: Sebastian Wolf
16:00
Abschluss
Plenum
Zum Abschluss unserer gemeinsamen Held*innenreise bündeln wir Ergebnisse aus zwei Tagen mit Panels, künstlerischen Beiträgen, Gesprächen und Workshops.
Mitwirkende und Moderation: Die Gastgebenden
Partner & Förderer
Gefördert von:
In Kooperation mit:
Kontakt
Esther Boldt (sie/ihr)
Konzeption und Durchführung Frankfurter Forum Junges Theater 2026
Seda Keskinkılıç (keine Pronomen)
Konzeption und Durchführung Frankfurter Forum Junges Theater 2026
Marie Kübler (keine Pronomen)
Organisation und Durchführung Frankfurter Forum Junges Theater 2026