Deutscher Kindertheaterpreis 2026 & Deutscher Jugendtheaterpreis 2026
Eine Kraft des Theaters für junges Publikum liegt in den zentralen Fragen „Was wäre, wenn…?“ und „Warum eigentlich nicht?“. Die Veränderbarkeit und Gestaltbarkeit der Welt sind eingeschrieben in seine Texte und Inszenierungen, in den Dialog zwischen Bühne und Publikum.
Der Deutsche Kindertheaterpreis und der Deutsche Jugendtheaterpreis würdigen Autor*innen und ihre Texte. Poetisch und publikumsorientiert, reflektiert und zugewandt zeigt die dramatische Literatur für junges Publikum ihre Qualität. Und dies bereits seit 30 Jahren: 2026 feiern der Deutsche Kindertheaterpreis und der Deutsche Jugendtheaterpreis Jubiläum!
Seit 1996 lobt das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) den Deutschen Kindertheaterpreis und den Deutschen Jugendtheaterpreis aus. Die Staatspreise für dramatische Kinder- und Jugendliteratur werden alle zwei Jahre an Autor*innen vergeben, um herausragende Stücktexte zu würdigen.
Bis zum 30. November 2025 konnten Verlage und Theater aktuelle Stücke einreichen, um bei der Auswahl dabei zu sein. Die Resonanz war außergewöhnlich hoch: 65 Kindertheater- und 50 Jugendtheaterstücke haben das KJTZ erreicht.
Bis zum 28. Februar 2026 konnten sich Studierende um die Sonderpreise zur Nachwuchsförderung bewerben. Die Sonderpreise regen Studierende an, Theatertexte für das Kinder- und Jugendtheater zu schreiben, und setzen bereits im Bereich der Ausbildung Impulse, sich mit jungem Publikum auseinanderzusetzen. Hier wurden 31 Texte eingereicht.
Die Preisverleihung findet am 19.11. um 19 Uhr im Kaisersaal des Frankfurter Römer statt.
Nominiert für den Deutschen Kindertheaterpreis 2026
Plakatkinder… als würden sie tanzen (8+) von Lilly Axster | Verlag der Autoren
Jurybegründung:
„Plakatkinder … als würden sie tanzen“ von Lilly Axster überzeugt durch eine präzise, poetische Sprache und eine starke szenische Grundidee: Drei Kinder treten aus Werbeplakaten heraus und beginnen, die ihnen zugeschriebenen Rollen zu hinterfragen. Mit Witz, Sprachlust und großer Verletzlichkeit verhandelt das Stück Fürsorge, Verlassenwerden, Wut und die Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Dabei vereinfacht es die Perspektiven der Kinder nicht, sondern nimmt sie ernst. Ein kluger, beweglicher Text über Selbstbilder, gesellschaftliche Zuschreibungen und die Möglichkeit, gemeinsam aus ihnen herauszutreten.
Matin Soofipour Omam
Schmetterball (10+) von Dorian Brunz | Rowohlt Theater Verlag, UA: 17.05.2025, Theater Oberhausen
Jurybegründung:
In „Schmetterball“ überträgt Dorian Brunz die Dynamik des Tischtennisspiels in eine präzise, poetische Theatersprache. Rhythmische Dialoge, gezielte Unterbrechungen und bildstarke Passagen geben dem Stück Tempo und Tiefe. Zugleich erzählt es eindringlich und sensibel von Verlust und Trauer sowie von Strategien, mit dem Unbegreiflichen umzugehen. Bewegung und Stillstand, Gegenwart und Erinnerung treten dabei in ein spannungsvolles Verhältnis. Der Text nimmt den Schmerz ernst und bleibt zugleich offen für Nähe, neue Beziehungen und Veränderung.
Matin Soofipour Omam
herzkopfüber (7+) von Simone Saftig | Felix Bloch Erben GmbH & Co. KG, UA: 11.10.2025, Stadttheater Gießen
Jurybegründung:
Zizis zahlreiche Zöpfe erfüllen alle möglichen Wünsche, doch ihre Mama hat den Kopf einer Murmel. Ihre Haare verlor sie an eine Krebsbehandlung – eine Diagnose, die Zizis Leben durch und durch zerzauste. Mit „herzkopfüber“ eröffnet Simone Saftig auf der Bühne einen Raum, in dem die Wut und Trauer, aber auch die Hoffnung und Träume eines erschütterten Kindes gedeihen und verarbeitet werden können. Dabei zieht sich das Motiv der Haare durch alle Themen hindurch, die Zizi in ihrem emotional ergreifenden und sprachlich verspielten Monolog durchkämmt. Familie, Freundschaft und auch Religion werden aus junger Perspektive und mit viel Gefühl von der Protagonistin thematisiert, die Liebe zu ihrer Mama stets in den Vordergrund gestellt. Saftig erzählt eine herzerwärmende Geschichte, die sich in Trauer und Witz nichts nimmt und einen zum Lachen und Weinen gleichzeitig bringen kann.
Arrow (Jaron) Burgau
Nominiert für den Deutschen Jugendtheaterpreis 2026
ich sehe was / was du nicht siehst (15+) von Sergej Gößner | Felix Bloch Erben GmbH & Co. KG, UA: 28.09.2025, Theater der Stadt Aalen
In Sergej Gößners „ich sehe was, was du nicht siehst“ setzen zwei Ich-Erzählende wie zwei Hälften eines Gehirns die Erinnerung an eine Feier zusammen, auf der der Protagonist Opfer eines sexuellen Übergriffs wurde. Der Fokus liegt dabei nicht auf einer Konfrontation mit der Täterin, sondern auf dem Schweigen der Beobachter*innen, das den Übergriff ermöglichte. Sprachlich fließend und inhaltlich tiefgehend werden Fragen über körperliche Grenzen und ihre Wahrung – schon in der frühen Kindheit – aufgeworfen. Während die Hauptfigur mit Scham und Zweifel ringt, dürfen die anderen ehemaligen Partygäste ungestört in ihrem Leben voranschreiten. Gößner behandelt ein schweres und oft ignoriertes Thema auf eine schmerzlich realistische, aber erfüllende und notwendige Weise, die nicht nur zum Nachdenken, sondern zum lauten Ansprechen anregt.
Arrow (Jaron) Burgau
in liebe, (14+) von Sefa Küskü und Janine D’Aragona | UA: 21.11.2024, c.t.201 – Freies Theater Köln
Leyla und Alba leben in einer patriarchal geprägten Parallelgesellschaft, in der Zwangsheirat und Ehrenmord legitimiert werden. In „in liebe,“ von Sefa Küskü und Janine D’Aragona kämpfen sie für Selbstbestimmung: Sie wollen lieben, leben, reisen und sich kleiden, wie sie wollen. Das Stück erzählt schonungslos und schmerzhaft von ihrem Kampf. Die glaubwürdigen, differenzierten Figuren sind keine Opfer, sondern Menschen, die um ihre Freiheit ringen. Ein brutales, wichtiges Stück über Emanzipation, Bevormundung und gesellschaftliche Verantwortung.
Ali Napoé
Hamsterrad (13+) von Alice Muitoevoli Rugai | S. Fischer Verlag Theater & Medien, UA: 15.02.2024, Theater Strahl, Berlin
Alice Rugais „Hamsterrad“ begleitet eine Jugendliche in ihrem Heranwachsen. Zwischen erster Liebe, Schule und familiären Pflichten sucht die 15-Jährige nach Begriffen, die ihre Identität beschreiben können. Sehr ehrlich erzählt das Stück von queerer Selbstfindung und von sozialen Verhältnissen, die allen Beteiligten viel abverlangen, und zeichnet auch die alleinerziehende Mutter, der zwischen Arbeit und Fürsorge kaum Zeit bleibt, verständnisvoll. Das Bild des Hamsterrads zieht sich dabei durch das ganze Stück: Nicht nur das Haustier, sondern alle Figuren laufen unaufhörlich im Kreis. Mit seiner humorvollen, lebendigen Sprache macht dieser tolle Coming-of-Age-Text die unterschiedlichen Lebenslagen und Zwänge erfahrbar und lädt dazu ein, auch andere Perspektiven und Lebenswirklichkeiten zu verstehen.
Chieh-Ni Chen
Preisträger*innen der Sonderpreise
Preisträger*innen der Sonderpreise
Mitte 10er von Una Çelik | Universität der Künste Berlin
„Mitte 10er“ erzählt von einer Freundschaft, die unter dem Druck von Zukunftsangst, politischen Konflikten und familiären Belastungen ins Wanken gerät. Una Çelik verbindet alltagsnahe Jugendsprache mit einer spielerischen, fantasievollen Theaterform. Boxkampf, Gerichtsszenen und das plötzliche Altern einer Figur machen Überforderung und die Angst vor dem Erwachsenwerden sinnlich erfahrbar. Ein kluger, eigenwilliger Text, der nah an seinen Figuren bleibt und unterschiedliche Sichtweisen auf die Gegenwart nebeneinander bestehen lässt.
Matin Soofipour Omam
Erdmännchen von Paula Regine Erb | Universität der Künste Berlin
Charlie und Nikita erleben in den Sommerferien ihre erste Romanze. Nach ihrer Intimität wächst in Charlie ein „Erdmännchen“ heran – doch die Beziehung ist vorbei und Nikita weiß nichts davon. Gemeinsam mit ihrer Freundin Imke muss Charlie entscheiden, wie sie damit umgehen will: Soll sie es behalten oder nicht? Das Stück erzählt von erster Liebe, Freundschaft, Verantwortung und Selbstbestimmung und nähert sich einer großen Lebensentscheidung auf un-gewöhnliche, spielerische und zugleich ernste Weise.
Ali Napoé
der mund wenn er kippt ist ein teich von paula lew van well | Universität für angewandte Kunst Wien, UA: 07.03.2026, Landestheater Niederösterreich St. Pölten
In „der mund wenn er kippt ist ein teich“ lässt paula lew van well Mo und Nadia auf ihre Jugend und ihre verstorbene Freundin Seda zurückblicken. Erinnerungen an Freundschaft, Körper und Begehren verschränken sich mit der Veränderung des Sees, an dem beide sich treffen – und an dem einst eine Tragödie geschah. In wechselnden Zeitebenen und vielstimmigen Passagen verbindet der Text menschliche Körper mit Ökosystemen; und das Kippen wird zum Sinnbild für Veränderungen, die nicht in einem einzigen Moment, sondern schleichend und nahezu unbemerkt geschehen. Die dichte, eigenwillige Sprache fordert Aufmerksamkeit und eröffnet einen ungewöhnlichen Zugang zu Verlust und Trauer.
Chieh-Ni Chen
Longlist Deutscher Kindertheaterpreis 2026
Lilly Axster
Plakatkinder… als würden sie tanzen
Verlag der Autoren.
Martin Baltscheit
Ich bin für mich
Bühnenverlag Weitendorf GmbH
Dorian Brunz
Schmetterball
Rowohlt Theater Verlag, UA: 17.05.2025, Theater Oberhausen.
Caroline Docar
Hektor und die Fliegen
Drei Masken Verlag
Dan Giovannoni
Haus
Aus dem Englischen von Teresa Komann und David Neukirch, Drei Masken Verlag,
UA: 05.02.2021, Barking Gecko Theatre, Perth
Fayer Koch
T-Rex, bist du traurig? (Steht dein T für Tränen?)
Rowohlt Theater Verlag, UA: 06.09.2024 Theater der jungen Welt, Leipzig
Lisa Krusche
Ein Riese allein hebt noch keinen Mond an den Himmel
S. Fischer Verlag Theater & Medien, UA: 08.02.2026, Thalia Theater, Bühnen Halle
Julia-Huda Nahas
Balkis – eine magische Mission
UA: 24.11.2024, COMEDIA – Zentrum der Kultur für junges Publikum Köln und NRW
Simone Saftig
herzkopfüber
Felix Bloch Erben GmbH & Co. KG, UA: 11.10.2025, Stadttheater Gießen
Lara Schützsack
Woche – Woche
Verlag der Autoren, UA: 07.11.2024, GRIPS Theater Berlin
Longlist Deutscher Jugendtheaterpreis 2026
Milan Gather
Spiel für uns
Drei Masken Verlag
Lena Gorelik
Der wiedergefundene Freund
Verlag der Autoren, UA: 28.11.2024, Residenztheater München
Sergej Gößner
ich sehe was / was du nicht siehst
Felix Bloch Erben GmbH & Co. KG, UA: 28.09.2025, Theater der Stadt Aalen
Nora Hoch
Wir holen uns die Nacht zurück
Bühnenverlag Weitendorf GmbH, UA: 11.04.2024, Theater Strahl, Berlin
Johannes Hoffmann
mondpark
Felix Bloch Erben GmbH & Co. KG
Sefa Küskü, Janine D’Aragona
in Liebe,
UA: 21.11.2024, c.t.201 – Freies Theater Köln.
Alice Muitoevoli Rugai
Hamsterrad
S. Fischer Verlag Theater & Medien, UA: 15.02.2024, Theater Strahl, Berlin
Lena Riemer
aufstiegskörper. ein fühlversuch
henschel SCHAUSPIEL Theaterverlag Berlin GmbH, UA: 25.04.2025, Theater am Werk, Wien
Kristo Šagor
Nice
Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs-GmbH, UA: 12.10.2024 Theater Konstanz
Jury
Arrow (Jaron) Burgau besuchte von der 1. bis zur 4. Klasse die Europaschule in Erfurt und wechselte dann auf das Evangelische Ratsgymnasium, wo dey mit Abschluss der 12. Klasse ein sehr gutes Abitur erwarb. Von der 5. Klasse spielte er in der Theater-AG der Schule und lernte dabei das Theater kennen und lieben. Auf Basis von Sagen, Romanen, autobiographischem Arbeiten und mehr, sammelte sie Erfahrung mit verschiedenen Theaterformen wie Tanz, Puppe, Performance und Sprechtheater. Ab der 9. Klasse fing er an selbst jüngere Gruppen zu leiten und mit diesen Stücke zu erarbeiten. Teil dieser Spielleitungsausbildung waren mehrere Workshopwochenenden, bei denen allen Spielleitenden der AG von Fachleuten mehr über Pädagogik, Lichttechnik, Tanz, Bühnenbild und Kommunikation beigebracht wurden. Während der 8 Jahre im Theater am EvRG entwickelte Arrow (Jaron) eine Begeisterung für das Spielen, Leiten und Diskutieren von Theater und den Wunsch, diese Begeisterung an andere Kinder und Jugendliche weiterzugeben. Bei der Suche nach geeigneten Theaterstücken dafür sucht dey nach Texten mit Aktualitätsbezug, mit Identifikationsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche, mit lernenswerten Werten, mit Witz und vor allem mit Diskussionspotential.
Außerhalb des Theaters interessiert sich Arrow (Jaron) für Biologie, Modellbau, Pen & Paper Spiele und die verschiedensten Fantasy-Welten. Aktuell absolviert Burgau ein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur (FSJK) in der Theaterpädagogik am Theaterhaus Jena, wo eine intensive Zusammenarbeit mit jungen Theaterinteressierten Alltag ist.
Chieh-Ni Chen ist Koordinatorin von Kulturprogrammen in den Bereichen Bildende Kunst, Film und Neue Medien des Goethe-Instituts in Taipei. Sie studierte Theaterwissenschaften an der Universität Leipzig, ist seit 2024 für das Goethe-Institut tätig und hat hier u.a. am Deutsch-Taiwanischen Symposium für Theater für junges Publikum im Jahr 2024 mitgewirkt, das internationale Perspektiven und Diskurse zusammenführte.
Ali Napoé absolvierte eine Schauspielausbildung und studierte BWL an der Frankfurt University of Applied Sciences. Er eröffnete einen Kiosk im Frankfurter Bahnhofsviertel, wo er Jam Sessions, Lesungen und Events veranstaltete, und ist Mitgründer eines Vereins gegen Gentrifizierung. Von 2020 bis 2025 war Napoé als interkultureller Vermittler, Schauspieler und Dramaturg am Staatstheater Darmstadt tätig, aktuell ist er Co-Leitung des Jugendklubs und der Künstlerischen Bildungsarbeit am Schauspielhaus Zürich.
Matin Soofipour Omam studierte Dramatische Literatur und Szenisches Schreiben an der Universität Teheran sowie Theaterpädagogik an der Universität der Künste in Berlin. Ihre ersten Engagements als Theaterpädagogin führten sie ans Grips Theater Berlin und ans Düsseldorfer Schauspielhaus. Seit 2021/22 arbeitet sie als Dramaturgin am Theater an der Parkaue Berlin und übernahm 2023 die Leitung der Abteilung. Als freischaffende Autorin schrieb sie u.a. das Klassenzimmerstück „Raumrauschen”, das 2024 mit dem Deutschen Kindertheaterpreis geehrt wurde. Ihr Theaterstück „Medea in Teheran” wurde für „Die Unbeugsamen”, eine Lesung in Solidarität mit der Frauenbewegung im Iran, ausgewählt und u.a. an den Münchner Kammerspielen, am Schauspiel Köln, Düsseldorfer Schauspielhaus und Schauspiel Essen gezeigt. Darüber hinaus wurde es für die Baden-Württembergischen Theatertage 2023 ausgewählt. Ihr Stück „Vom Aufwachen und Anrufen“ hatte unter dem Titel „Dream Machine“ Uraufführung beim Theaterfestival „Theater der Welt“ und tourt seitdem, in der Regie von Anke Retzlaff, international. Soofipour Omam arbeitet zudem als Autorin, Dramaturgin und Theatermacherin in unterschiedlichen Kollektiven, wie Suite42, Projekt-il, Waltraud900 und Geschichten aus der Stadt.